Reisebericht Reiten Südafrika: der schlaue blaue Kranich
Das Westliche Kapland von Südafrika ist nicht nur die Heimat eines der größten Blumenparadiese der Welt, mit über 3000 verschiedenen Pflanzenarten, von denen die bekannte Königs Protea die Nationalblume ist.
Es ist aber auch ein Vogelparadies von Bedeutung, mit einigen hundert Vogelarten, von dem kleinen hübschen Sunbird bis zum ein Meter hohen majestätischen blauen Kranich, der der National-Vogel ist.
Auf meinen Pferdesafaris sehe ich natürlich immer eine Anzahl verschiedener Vögel, wie Schwärme von Flamingos oder Pelikane in den Lagunen, Reiher in den Feldern oder ich höre den unverwechselbaren Ruf des Fischadlers. Es gibt den hässlichen Hadeda Ibis, der, davon bin ich überzeugt, unter Höhenangst leidet, da er immer, wenn er fliegt wie ein verschrecktes Baby schreit. Ich frage mich häufig wie viele Millionen Südafrikaner dieser Vogel jedes Jahr aus dem Morgenschlaf aufweckt, wenn er früh morgens niedrig über die Dächer fliegt.
Da gibt’s das dumme Perlhuhn, das im Grass liegen bleibt bis du beinahe an ihm vorbei galoppiert bist, um dann in einer Panik hochzufliegen, was das Pferd seitwärts scheuen lässt und dabei häufig den Reiter abschmeißt. Dies betrifft leider hauptsächlich das Leitpferd, weswegen ich häufig im Galopp in Bruchteil einer Sekunde mein Gleichgewicht im Sattel wiederfinden muss, um gleichzeitig mit dem Fuß nach dem verlorenen Steigbügel zu Angeln, weswegen ich inzwischen diesen verdammten Vogel hasse.
Da gibt es den mutigen Wasser-Kiebitz, der obwohl nur 25 cm hoch, nichts desto trotz, wenn er seine Eier verteidigt, brav sich vor einem sich näherndem Pferd stellt und es in unmissverständlichen Ausrufen beschimpft.
Aber am besten von allen ist denke ich der Blaue Kranich mit seinem raspelnden Ruf, der sehr weit getragen wird. Da das Westkap ein Winter-Getreide Gebiet ist wird im Frühjahrsmonat Oktober das Getreide geschlagen. Danach sind nur noch Stoppelfelder als Futterwiese für den Blauen Kranich und seine Brut vorhanden. Da die Küken noch nicht fliegen können sind sie auf den offenen Feldern kaum geschützt.
Einmal führte ich eine Reitergruppe über ein großes Stoppelfeld und dabei trafen wir auf ein Blaukranich-Pärchen mit ihren Kleinen. Als wir uns näherten fingen die Eltern an mit ihrem raspelnden Ruf zu locken und schließlich kam einer von ihnen auf mich zugehumpelt, dabei einen lahmen Flügel ausstreckend. Da es so aussah als ob er von einem Mähdrescher verletzt worden war folgten wir den Vogel dabei Hilfsmassnahmen diskutierend. Sollten wir versuchen den Vogel zu fangen um ihn einem Tierarzt zur Behandlung zu übergeben?
Als wir noch überlegten was zu tun sei hatte uns der Vogel einige zweihundert Meter den Hügel heruntergeführt und außer Sichtweite der Küken. Hier, zu unserem großen Erstaunen, richtete sich der stolze Vogel auf einmal zu seiner wahren Größe auf, sprang in die Luft und flog in einem Halbkreis zu den Kleinen zurück, alle Verletzungen vergessend! Es war also alles nur ein Trick gewesen um uns von der Brut wegzulocken. Jetzt kenn ich ihren Kniff und wenn ich im Frühjahr einem Pärchen mit Brut begegne tue ich, als ob ich auf den Lockvogel hereinfalle und folge absichtlich dem verwundeten Vogel bis er weg fliegt. Viel Spaß für beide von uns, da bin ich sicher.
—Alle Angaben ohne Gewähr—