Klein aber fein: Das Amerikanische Miniaturpferd
Manchmal muss man schon genau hinschauen, um zu erkennen, ob es sich um einen Hund oder doch um ein kleines Minipferd handelt. Beide Tiere sind gleich groß und so kann man schon einmal ziemlich verwirrt sein, wenn man feststellt, dass es sich tatsächlich um ein Minipferd und eben nicht um einen Hund handelt!
Doch obwohl alle Minipferde mehr als faszinierend sind, gibt es doch Unterschiede zwischen den einzelnen Pferderassen. Das Amerikanische Miniaturpferd nimmt eine besondere Stellung ein.
Das American Miniature Horse (deutsch: Amerikanisches Miniaturpferd; manchmal auch nur Miniature Horse genannt) ist eine Minipferderasse aus den USA.
Es ist praktisch nicht größer als ein großer Hund und in Deutschland und weiten Teilen Europas noch ziemlich unbekannt. Grundsätzlich gibt es einige Minipferdrassen, darunter beispielsweise das Minishetlandpony, die Falabellas, das britische Miniaturpferd oder auch das dänische Miniaturpferd. Das Amerikanische Miniaturpferd aber ist besonders: Es soll alle charakteristischen Eigenschaften eines ausgewachsenen Großpferdes haben- nur eben in Miniformat.
Die charakteristischen Merkmale des Amerikanischen Miniaturpferdes
Die Zucht dieser Pferderasse hat nur eines zum Ziel: das perfekte kleine Pferd erschaffen. Sämtliche Proportionen des Körperbaues, der Knochen, aber auch alle Gangarten oder charakteristischen Wesenszüge sollen denen eines großen und ausgewachsenen Pferdes entsprechen. Es kommt folglich nicht von irgendwo her, wenn manche das kleine Pferd auch einen Andalusier in klein nennen. Aufgrund der ausgeglichenen Proportionen und der starken Muskulatur wirken die kleinen Minipferde sehr elegant und kraftvoll. Auch in ihrer Einsetzbarkeit gleichen die Tiere der Vielfältigkeit ihrer großen Vorbilder. Sie sind gutmütig, geduldig und vor allem sehr menschenbezogen. Außerdem weisen die Tiere eine hohe Arbeitsbereitschaft auf. Grundsätzlich gibt es die Pferderasse in allen Fell- und Augenfarben.
Woher kommt das Amerikanische Miniaturpferd?
Erstaunlicherweise kommt das Amerikanische Miniaturpferd ursprünglich nicht aus den USA, sondern aus Europa. Im 17. Jahrhundert wurde es hier an den königlichen Häusern gezüchtet, um als Spielgefährte für die Kinder zu fungieren. Im Laufe der Jahrhunderte traten in Europa immer wieder zahlreiche Kriege auf und die Minipferde wurden so selten, dass sie vom Aussterben bedroht waren. Nur einige wenige wurden ins Ausland gebracht, sodass der erste Beleg über das Eintreffen eines Minipferdes in den USA aus dem Jahr 1888 stammt. Die Tiere wurden unter anderem zunächst für den Bergbau eingesetzt, da sie für die engen Stollen aufgrund ihrer kleinen Körpergröße sehr gut geeignet waren. Nach einiger Zeit aber erkannte man das Zuchtpotenzial und die Einzigartigkeit der Tiere und begann sie systematisch weiter zu züchten. Einhergehend mit der Zucht entwickelte sich auch die Idealvorstellung eines perfekten Pferde in klein. Die Minipferde wurden mit anderen Minipferderassen gekreuzt, sodass beispielsweise Welsh Ponys, Hackney Ponys, Falabellas und Shetlandponys in der Zuchtlinie aufzufinden sind. 1970 wurde schließlich das Zuchtbuch für American Miniature Horses gegründet und das Einkreuzen weiterer Pferderassen wurde gänzlich unterlassen. Die Gründung der American Miniature Horse Association (AMHA) nur acht Jahre später führte zu einer festen Etablierung der kleinen Pferde. Dieser Verein versteht sich als Zuchtverband und verwaltet das Zuchtbuch.
Wer verwaltet das Zuchtregister der Amerikanischen Miniaturpferde?
In den USA werden alle Miniaturpferde durch die American Miniature Horse Association (AMHA) registriert und verwaltet. In Deutschland allerdings gibt es bislang noch keinen offiziellen Club oder Verein, der sich nur mit der Verwaltung der außergewöhnlichen Pferderasse beschäftigt. Die einzige Anlaufstelle für Pferdebesitzer und Züchter ist bislang der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen e.V. Dieses verwaltet auch das Stutbuch aller deutschen Miniaturpferde. Einige Züchter haben allerdings bereits angekündigt, dass sie die Gründung eines eigenständigen Zuchtverbandes, der sich ausschließlich auf Miniaturpferde spezialisiert, sehr begrüßen würden und teilweise auch an dessen Gründung voran treiben.
Aufgrund des nicht existierenden deutschen Zuchtverbandes gibt es in Deutschland bislang noch keine festen Rassestandards. Wer allerdings sein Amerikanisches Miniaturpferd in das Zuchtbuch der AMHA eintragen lassen will, muss strenge Standards erfüllen. Vor allem darf die maximale Größe von 34 inches (86,4 cm) nicht überschritten werde. Gemessen wird dies allerdings nicht wie bei uns in Europa an der höchsten Stelle des Widerristes, sondern am letzten Mähnenhaar des Widerristes. Wenn man Zuchtpapiere für sein eigenes Pony beantragen will, muss außerdem nachgewiesen werden, dass beide Elternteile beim AMHA registriert sind. Gegebenenfalls wird darüber hinaus ein DNA-Test verlangt, um eine Kreuzung mit anderen Pferderassen hundert prozentig ausschließen zu können.
Die American Miniature Horse Association World Show
Einmal jährlich findet in Texas die AMHA World Show statt (früher auch „Nationals“ genannt). Bei diesem zehntägigen Turnier werden die besten American Miniature Horses in bis zu 180 verschiedenen Disziplinen ermittelt. Bereits die Startbedingungen sind allerdings sehr streng und nur die besten Pferde der Vorrunden (Qualification Shows) dürfen tatsächlich am Wettbewerb antreten. Die verschiedenen Klassen umfassen unter anderem Trail, Springen, Kutsche und weitere Geschicklichkeitsübungen. Die jeweils zehn besten Ponys einer Klasse werden dann zu den World Top Ten Champions gekürt. Im weiteren Wettstreit treten dann diese Sieger gegeneinander an, um die zwölf World Grand Champions zu bestimmen, aus denen dann im finalen Turnier der Gesamtsieger, der so genannte World Supreme Champion, ermittelt wird.
Auch in Europa gibt es solche groß angelegten Nationals. Organisiert werden sie vom europäischen Miniaturpferdeverein European Miniature Horse Association (EMHA), der eine Plattform für alle Züchter und Pferdebesitzer von Miniaturpferden bietet und jährlich Events und Seminare ausführt.
In welchen Bereichen können Miniaturpferde eingesetzt werden?
Miniaturpferde sind zwar klein, aber dennoch vielfältig einsetzbar. Aufgrund ihrer Größe erscheinen sie besonders geeignet für Kleinkinder, aber auch für alte Leute, denen die Pflege und Fürsorge eines Großpferdes über den Kopf wächst. Darüber hinaus werden die Tiere aber auch mehr und mehr als Therapiepferde eingesetzt. Hierfür erscheinen sie besonders geeignet, da viele Menschen erfahrungsgemäß vor großen Pferden oft einen tiefen Respekt haben und sie daher zu den kleinen Pferden viel schneller Vertrauen aufbauen.
Doch egal wie klein sie sind – Miniaturpferde sind immer noch Pferde und müssen auch dementsprechend gehalten werden
Es ist verlockend Miniaturpferde aufgrund ihrer gar winzigen Größe nicht als Pferd wahr zu nehmen. Dennoch: Auch bei dieser Pferderasse handelt es sich um ein Pferd und bedarf daher auch einer artgerechten Haltung. Auch wenn die Boxen gegebenenfalls etwas kleiner ausfallen können, als für ein ausgewachsenes Pferd, brauchen die Ponys viel Freilauf und eine Herde um sich herum. Aufgrund ihrer Robustheit sind die kleinen Pferde vor allem für eine Offenstallhaltung sehr geeignet. Es muss einem klar sein, dass es sich nicht um einen Hund, sondern eben um ein Pferd handelt- nur eben in Miniausführung.