Hund und Pferd – Teil 2: Ausreiten mit Hund und Pferd
Viele Reiter haben nicht nur ein großes Herz für Pferde, sondern sind auch begeisterte Hundebesitzer. Der erste Teil unserer Serie „Hund und Pferd“ behandelte die Eingewöhnungsphase des Hundes in den Pferdestall. Doch was muss ich tun, um meinen Hund zu einem Ausritt mitnehmen zu können und gemeinsam mit meinen beiden Lieblingsvierbeinern Wiesen und Wälder zu erkunden?Für den Hunde- und Pferdebesitzer ist es bereits eine riesige Erleichterung, wenn der Hund in den Pferdestall integriert wurde und problemlos dorthin mitgenommen werden kann. Wenn allerdings die ersten warmen Sonnentage im Frühling mit ihrer frischen Luft zu einem Ausritt locken, möchte man gerne die vertraute Umgebung des Stalls verlassen und die aufblühende Natur entdecken. Doch das gemeinsame Ausreiten erfordert Übung!
Ausreiten mit Pferd und Hund – der Traum eines jeden Hunde- und Pferdebesitzers
Auf dem Pferderücken durch die Natur reiten und der eigene Hund läuft friedlich nebenher – ein häufiger Wunsch, der in der Realität allerdings sehr problematisch umzusetzen sein kann. Die Hunde laufen zu weit vor und zurück, gehorchen nicht auf die Kommandos oder finden eine interessante Fährte und verschwinden im Wald. Letztendlich ist der Reiter in solchen Situationen nur auf den Hund konzentriert und wird damit dem Pferd und sich selbst nicht gerecht.
Die ersten Übungen: auf dem Reitplatz und beim gemeinsamen Spaziergang
Das gemeinsame Ausreiten mit Pferd und Hund muss geübt und erlernt werden. Absolute Voraussetzung ist, dass der Hund ausnahmslos auf die Kommandos „Komm“, „Bleib“, „Sitz“ und „Halt“ gehorcht. Nachdem sich die beiden Tiere bereits im Stall aneinander gewöhnt haben, kann damit begonnen werden den Hund auf den Reitplatz mitzunehmen (Voraussetzung: Absprache mit den anderen Reitern auf dem Platz!). Der Reitplatz bietet für die ersten Übungen einige Sicherheit: Das Pferd kennt sich hier aus und fühlt sich daher weniger schnell verunsichert. Falls das Pferd dennoch Angst und Panik bekommt und scheut, kann es auf dem Reitplatz wesentlich schneller eingefangen und unter Kontrolle gebracht werden, als im freien Gelände. Nachdem sich das Pferd daran gewöhnt hat, dass es nun den kleinen vierbeinigen Begleiter auch beim Laufen um sich herum hat, können gemeinsam erste kurze geführte Spaziergänge unternommen werden. Hierbei kann es sehr hilfreich sein noch eine weitere Begleitperson mitzunehmen, damit Hund und Pferd jeweils individuell betreut werden können. Der Hund muss lernen auf der rechten Seite des Pferdes und damit auf der Straßenabgewandten Seite zu laufen. Bei allen Übungen muss stets mit Lob und Leckerlis gearbeitet werden. So können sowohl Hund als auch Pferd motiviert und ihnen verständlich gemacht werden, dass vom jeweils anderen Vierbeiner keine Gefahr ausgeht. Diese Übung stellt die Basis für das gemeinsame Ausreiten dar. Erst wenn es beim einfachen Spazierengehen keine Schwierigkeiten oder schreckhafte Verhaltensweisen mehr gibt, kann das gemeinsame Training fortgesetzt werden.
Schritt, Trab, Galopp – Hunde brauchen eine gute Kondition
[aartikel]3861275651:right[/aartikel]Zunächst sollte der Hund auf dem Reitplatz an alle verschiedenen Reittempi gewöhnt werden. Beim Trab und besonders beim Galopp können die Hunde schnell denken, dass Pferd und Reiter von ihm weglaufen und er allein zurück bleibt. Um eine Panikreaktion des Hundes zu vermeiden, sollte er an diese schnellen Gangarten nicht erst im weitläufigen Gelände, sondern bereits im Wohlvertrauten Terrain des Reitplatzes gewöhnt werden. Ein gemeinsamer Ausritt mit beiden Tieren ist grundsätzlich nur möglich, wenn der Hund über genügend Kondition verfügt. Vor allem kleine Hunde, denen aufgrund ihrer physischen Konstitution natürliche Grenzen gesetzt sind, können nur zu kurzen und in langsamen Tempi ausgeführten Ausritten mitgenommen werden. Wer seinen Hund überfordert, muss mit schmerzhaften und im schlimmsten Fall sogar chronischen Gelenk- und Knochenschmerzen rechnen. Vor allem Welpen brauchen eine ausreichende Schonfrist und dürfen auf gar keinen Fall frühzeitig überlastet werden!
Die ersten Ausritte ins Gelände
Sobald weder Hund noch Pferd schreckhafte oder ängstliche Reaktionen auf dem Reitplatz oder beim Spazierengehen zeigen und sich an die Anwesenheit des anderen Vierbeiners sichtlich gewöhnt haben, können die ersten gemeinsamen Ausritte ins Gelände unternommen werden. Der Reiter sollte hierbei versuchen, sowohl dem Pferd, als auch dem Hund gerecht zu werden und beiden gleichviel Konzentration und Aufmerksamkeit zu schenken. Die Übungen auf dem Reitplatz und während der geführten Spaziergänge stellen eine solch wichtige Basis dar, weil der Reiter hierdurch bereits eine gewisse Sicherheit und Gelassenheit bekommen hat. Er ist dadurch weniger nervös und ungeduldig und kann daher auch ein ruhigerer Partner für das Pferd und den Hund sein.
Kleine Hunde dürfen nicht in Satteltaschen oder ähnliche Säcken, die an den Sattel gehängt werden, hinein gelegt und so zum Ausritt mitgenommen werden. Auf diese Weise können andernfalls sehr gefährliche Situationen entstehen: Das Pferd erschrickt und scheut, der Reiter fällt und das Pferd geht durch – und der Hund sitzt völlig machtlos in der Satteltasche!
Mit oder ohne Leine?
Die Frage nach der Leine hängt ganz vom Hund ab. Wenn der Hund ausnahmslos auf die Kommandos „Komm“, „Bleib“ und „Platz“ gehorcht und keinem Wildtier im Wald nachläuft, braucht der Hundebesitzer kein Gebrauch von der Leine zu machen. Wenn der Hund allerdings auch beim normalen Spazierengehen seinen Jagdtrieb gezeigt hat und lieber seinen eigenen Vorlieben nachgeht, anstatt auf seinen Besitzer zu gehorchen, muss die Leine zum Einsatz kommen. Jedem Hundebesitzer muss bewusst sein, dass die zuständigen Jäger im Wald zu jeder Zeit das Recht haben den Hund zu erschießen, wenn ein akuter Verdacht besteht, dass der Hund wildern könnte und keine menschliche Begleitperson in der Nähe ist. Jedem Besitzer eines Jagdfreudigen Hundes ist zu empfehlen, dass er einmalig den zuständigen Jäger des Gebietes kontaktiert, in dem man mit dem Hund am meisten spazieren geht. So kann der Jäger den herumtreibenden Hund dem jeweiligen Besitzer zuordnen und vermeidet in der jeweiligen Situation einen gefährlichen Schuss.
Die Leine darf niemals an den Sattel gebunden werden. Wenn das Pferd durchdreht und wild davon galoppiert, kann dies zu einer für den Hund lebensbedrohlichen Situation werden. Desweiteren soll die Leine nicht um die Hand gewickelt, sondern lediglich einfach locker gehalten werden. So kann der Reiter auf gefährliche Situationen schnell reagieren und die Leine einfach los lassen.
Im optimalen Fall läuft der Hund auf Höhe der Mittelhand des Pferdes. So kann der Hund am besten auf die Anweisungen des Reiters und die Bewegungen des Pferdes reagieren. An einigen Stellen sind Pfade aber so eng und schmal, dass die Hunde zwangsmäßig hinter oder vor dem Pferd laufen müssen (Empfehlung: wenn der Hund hinter dem Pferd läuft, kann sich das Pferd nicht mit so leicht mit seinen Beinen in der Leine verheddern). In jedem Fall muss die Leine für diesen Fall ausreichend lang sein.
Sicherheit im Straßenverkehr – auch Hunde brauchen Reflektoren
Wer abends mit Hund und Pferd einen Ausritt macht, musst nicht nur beim Pferd, sondern auch beim Hund für ausreichend Sicherheit sorgen. Dies bedeutet vor allem, dass auch der Hund Reflektoren trägt: So kann er sowohl vom Reiter, als auch im Straßenverkehr von anderen Verkehrsteilnehmern gut erkannt werden.
Freude mit den Tieren
Bei aller Erziehung und allen Übungen darf man eines nicht vergessen: Im Grunde geht es um den Spaß und die Freude mit den Tieren. Gemeinsam im Stall, über Wiesen und durch Wälder – das Genießen sollte man dabei nicht vergessen!
Lesen Sie hier „Hund und Pferd – Teil 1: Die Eingewöhnung in den Pferdestall“
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—alle Angaben ohne Gewähr—
Pferd und Hund beim Ausreiten zu koordinieren ist schwierig und beide Tiere müssen aneinander gewöhnt sein! In kleinen Schritten kann auf dem Paddock begonnen werden und die hohe Kunst ist es dann, den Hund alleine mit der Stimmte zu führen! Erfahrungsgemäß dauert es sehr lange, aber der Spaß beim Ausritt ist enorm, wenn es dann reibungsfrei funktioniert!
Moin Moin,
auch ich habe mir nun ein Hund fürs Ausreiten zugelscht 🙂 Muss sagen er hört prima und ist sowas von treu &lieb…Echt ein neues Familienmitglied unser Hasso 🙂
Reit-Grüße aus dem Norden ERIKA
Hallo,
Darf ich mit meinem Pferd und angeleintem Hund auf einer öffentlichen, wenig befahrenen Strasse ausreiten?
Danke im Voraus.
Paul aus dem wilden Süden